Anliegen

Abfallverbrennung ist weit entfernt von CO2-Neutralität

Ein Fernwärmenetz ist eine gute Sache, damit können zentrale, effiziente Anlagen betrieben werden. Allerdings nur wenn die Wärmeerzeugung auch wirklich CO2-neutral erfolgt.

Die Verbrennung von Abfall (meist Plastik aus fossilem Erdöl) darf nicht als CO2-Neutral betrachtet werden. Dies ist methodisch falsch und funktioniert in einer Welt mit null CO2-Emissionen leider nicht, auch wenn dies in der aktuell noch gängigen Bilanzierungsmethodik mit LCA Betrachtung nach KBOB der Fall ist. Diese schreibt die CO2-Emissionen von Abfall dem Verursacher des Abfalls zu. Gemäss Green House Gas Protokoll (GHGP) hingegen ist die Abfallverbrennung durch die ERZ, bzw. die Stadt Zürich als deren Eigentümerin, dem Scope-1 zuzuschreiben. Dies heisst: Die CO2-Emissionen gehen zu Lasten der Stadt, welche den Abfall verbrennt und das CO2 freisetzt, und nicht dem Produzenten des Abfalls. Dies ist voraussichtlich auch im revidierten CO2-Gesetz der Fall! Und dies ist auch richtig, schliesslich bestimmt die Stadt, welche den Abfall sammelt, was schlussendlich mit dem Abfall passiert, und nicht der Verursacher des Abfalls.

Alternativen gibt es, z.B. die Kunststoffe zu deponieren und somit die Freisetzung des CO2 um Jahrhunderte zu verzögern oder - noch besser und auch nachhaltiger - Abfall mit Carbon Capture und Storage zu verbrennen. Wir dürfen nicht warten bis der Abfall weniger wird, sondern müssen heute eine Antwort finden wie wir den Abfall CO2-neutral entsorgen!

Die Stadt Zürich muss parallel dazu und ebenfalls dringend eine Antwort finden für die Art der CO2-neutralen Wärmeerzeugung für das grösste und durch die ERZ betriebene Fernwärmenetz der Stadt.

Als Ersatz für den wegfallenden Abfall brauchen wir eine alternative, wirklich erneuerbare Wärmequelle. Verstromung von Holz? Den Strom könnten wir gut gebrauchen im Winter für die dezentralen Wärmepumpen und die Abwärme aus der Stromerzeugung für die Fernwärme. Aber reicht hierfür das Holz? Stimmt die Temperatur? Die Möglichkeiten der erneuerbaren Wärmeerzeugung für das ERZ-Netz sind leider durch das hohe Temperaturniveau begrenzt. Auch hier besteht Handlungsbedarf, ebenso wie beim Kälteangebot in diesem Fernwärmenetz, in welchem auch viele grosse Bürogebäude stehen (z.B. in Oerlikon).

Fazit: Abfall muss CO2-neutral entsorgt werden und es wird eine erneuerbare Wärmequelle für das ERZ-Fernwärmenetz benötigt.

Kommentare

Moderationskommentar

Liebe*r Dani

Kürzlich hatte ich mit einem stadtinternen Kollegen ein Fachgespräch über die Frage wie sich Netto-Null physikalisch erreichen liesse. Wir waren uns in der Frage einig, dass für das Klima nicht relevant ist, wo das CO2 anfällt. Daher rührt auch mein persönliches Unbehagen bei zu starkem Beharren auf Bilanzierungsfragen und Systemgrenzen, bei allem Respekt von Ernsthaftigkeit und Komplexität dieser Disziplin! Und ich meine, dieses Unbehagen auch bei Ihnen zu spüren.

In der Tat ist es so, dass momentan der Abfall bezüglich Wärmeproduktion CO2 frei bilanziert wird. Ob nun das CO2 dem Konsument, der Stadt, dem Fernwärmebezüger zugerechnet wird ist die eine Frage. Entscheidend ist, dass es anfällt und ich gehe mit Ihnen einig, dass wir damit erstens als Gesellschaft, zweitens auch als Stadt Zürich und auch die Einzelpersonen in der Verantwortung stehen.

Mit der kommunalen Energieplanung verfolgt die Stadt Zürich in diesem Zusammenhang zwei Ansätze. Ein relativ dünn besiedelten Gebieten werden dezentrale Wärmeversorgungs-Systeme wie Wärmepumpen gefördert werden. In dicht bebauten Gebieten setzen wir auch thermische Netze, wie eben auch Fernwärme aus der KVA. Energieverbunde sind heute in den wenigsten Fällen CO2 neutral. Die meisten Verbunde weisen eine sogenannte Spitzenlastabdeckung basierend auf fossilen Energieträgern auf. Bei thermischen Netzen wird die Energie von einer Zentrale geliefert und darin besteht hinsichtlich der Dekarbonisierung der grosse Vorteil. Es muss im Gegensatz zu dezentralen Systemen nur die Zentrale auf eine fossilfreie Energieversorgung umgestellt werden. Unter anderem darum unternehmen wir grosse Anstrengungen die thermischen Netze auf eine Fläche von 60% des Stadtgebietes auszubauen. Parallel dazu haben die Energieversorger den Auftrag Konzepte zur Dekarbonisierung ihrer Energiezentralen auszuarbeiten und die erwähnte Spitzenlastabdeckung auch fossilfrei bereitzustellen. Dazu gehört auch ERZ.

Viele Grüsse

Stadt Zürich (Hanspeter Wilhelm, Fachbereich 2000-Watt-Gesellschaft)